Messmer & Friends
Einblicke I Ausblicke
29. Oktober 2011 - 26. Februar 2012
am 28. Oktober 2011
um 19.00 Uhr
im Foyer der kunsthalle messmer:
Jürgen Messmer - Einblicke in die Sammlung
Dietmar Guderian - Der Sammler Jürgen Messmer und seine Künstler
Die Ausstellung bietet Einblicke in die festen Bestände
meiner Sammlung und beleuchtet das augenblickliche Schaffen der Künstler.Die
Schau stellt im Wesentlichen konkret-konstruktive Künstler vor, jedoch auch
einige figurativ arbeitende.
Gezeigt werden zwölf internationale Künstler, mit denen ich seit vielen Jahren
befreundet bin, und deren Werke in meiner Sammlung vertreten sind:
Gerald Baschek
(D) Andrea Berthel (D) Jakob Bill (CH)
Hellmut Bruch (A) Thomas Droll
(CH) Manfred
Emmenegger-Kanzler (D)
Gerhard Frömel (A) Friedrich Geiler
(D) Joachim Kaiser (D) Jo Niemeyer (D) Peter Somm (CH) Jean-Pierre Viot (F).
Sämtliche Künstler werden anwesend sein.
Jürgen A. Messmer -Stiftungsvorstand-
kunsthalle messmer Großherzog-Leopold-Platz 1 D - 79359 Riegel
Dietmar Guderian
Stichworte zur Eröffnung der Ausstellung
„Messmer and Friends“ am 28. Oktober 2011 in der Kunsthalle Messmer
Jürgen Messmer sammelt seit dem Ende der Studienzeit…zunächst Stahlstiche, später zu Anfang der 70er Jahre Vasarely, Ende der 70er Jahre Evard. Schon damals ist die
Anlage der Sammlung vorgezeichnet: Vasarely und Evard beginnen naturalistisch, und arbeiten gegen Ende des Lebens der eine streng konkret-konstruktiv ,der andere konstruktiv.
[Vorab die hier durch den Redner genutzten Bedeutungen einiger Schlüsselworte:
Konstruktiv - im Sinne der Euklidschen
Geometrie konstruiert (Abstraktion, Konstruktion
möglich).
Konkret - Idee legt Bild vor der Entstehung fast vollständig fest
Neo-Geo - Arithmetische und Geometrische Elemente
werden - teils spielerisch
( manchmal wie
zufällig verteilt), teils gezielt zum Bildaufbau
genutzt (Federle).
Grosse gestalterische Freiheit für die Künstler]
Zu den Künstlern:
Über Jahrhunderte bekannte und zur Herstellung wohlempfundener Werke verwandte Gestaltungsprinzipien rein dargestellt :
Jo Niemeyer – Der Goldene Schnitt (Strecke s = M+m, S/M = M/m = 1,6…).an sich wird in Gestalt von Streckenunterteilungen, Längenverhältnissen in zweifarbigen Skulpturen und Gemälden dokumentiert.
Hellmut Bruch „ritzt“ die Fibonnacci-Folge (1,1,2,3,5,…) in gekerbte Plexiglasscheiben und lässt durch das Licht die Maße sichtbar werden.
Seit der ersten Generation der Konkreten Künstler bereits bekannte Gestaltungsprinzipien (Modul, Senkrechte Winkel, Parallelen, Drehungen, fortgesetzte Halbierung, Verdoppelung und andere Progressionen, Zyklische Farbvertauschungen,…) übernehmend, führen konkrete Künstler von heute in ihre Werke subjektiv festgelegte neue Methoden ein:
Gerald Baschek stellt in orthogonalen Rasterbildern flächige Graunuancierungen gesetzmäßig zusammen oder bringt zyklische Farbfolgen in progressiv sich ändernde Flächen ein.
Jakob Bill nutzt nahezu alle bekannten konkreten Gestaltungsprinzipien, baut in die entstehenden formal streng konkreten Bilder jedoch keine reinen Farben sondern systematisch sich entwickelnde Farbverläufe ein.
Joachim Kaiser entwickelt zwei Systeme von detailliert gemalten Streifen oder parallel verlaufenden Kurvenscharen, dreht sie gegeneinander und erhält - gesteuert durch Farbwahl und subjektive Wahl des Drehwinkels - verblüffende an Moire-Effekte erinnernde Kunstwerke. Ihre Ausgefeiltheit verdanken sie Computeranalysen, die der Künstler in der Endfassung dann jedoch selbst malt und nicht dem „kalten“ Plotter überlässt.
Gert Frömel lässt die Besucher interaktiv mit dem Kunstwerk tätig werden. Er projiziert konkrete (meist schwarz-weiße) Bilder auf versetzte Skulpturteile derart, dass das eigentliche, konkrete Bild nur in Erscheinung tritt, sobald der Betrachter die richtige Position gefunden hat.
Naturalistischen Bilder werden Konstruktive bzw. Konkrete Vorgehensweisen appliziert:
Andrea Berthel fügt ihrer an die heilige Familie gemahnenden naturalistischen Menschengruppe einen Hintergrund in Gestalt einer phantastischen Architektur hinzu. Dieses Architekturbild malt die Schöpferin der Hartheimer „Schwanitz-Illusions-Bildwand“ in einer heute fast nicht mehr anzutreffenden konstruktiven perspektivischen Perfektion.
Thomas Droll wendet sein beinahe rein konkretes Konzept auf alte Fotos aus den 50er Jahren an: Er reduziert die ursprünglich unendlich große Zahl der kontinuierlich ineinander übergehenden Farbtöne-Grauschattierungen in seinen Fotos auf nur noch 4 diskrete, d.h. klar voneinander getrennte Farben. Mit der Übertragung dieser „konkreten“ Idee auf die Fotos gelangt er beinahe automatisch zu seinen scharfkonturigen Bildern.
Ungewohnte Freiheiten eines Konkreten Künstlers:
Peter Somms Kreisbild- und Kreuzvariationen bestechen zunächst durch detaillierte, in exakten Progressionen angelegte Kreis- und Geradenscharen. Bei den Kreisbildern auf Anhieb, bei den anderen Werkgruppen erst bei genauerem Betrachten erkennt der Betrachter bewusste Störungen in den Systemen. Es entstehen Kreisaufbrüche, nicht genau ausgeführte Kreuzmitten. Diese nicht in aller Konsequenz konkreten Bilder betören den Betrachter mit einer sich daraus entfaltenden, fast lyrisch zu nennenden Note.
Umkehrung
Manfred Emmenegger-Kanzler geht gerade den umgekehrten Weg konkreter Künstler. Er schafft nicht konkrete Kunstwerke, sondern er geht von bereits vorhandenen konkreten Strukturen aus – in der Regel von aus gleichartigen ziegelähnlichen künstlichen Steinen zusammengefügten Mauerstücken. Die vorgegebenen Materialien lassen sich fast ohne Zutun des Künstlers im Brand zu streng geordneten „Bau-Elementen zusammenfügen. Die dann vorhandenen Ordnungsstrukturen relativiert der Künstler durch gezielte Einwölbungen, Ausbuchtungen, Vorab-Verbiegungen u.ä..
Aus geometrischen Elementen gefügte Konstruktive Bilder
Jean-Pierre Viot ist kein Konkreter aber ein konstruktivistisch schaffender Künstler. Er nutzt geometrische Formen (unregelmäßige Vielecke, Geraden, Schatten suggerierende Streifen …) meisterhaft, um in seinen ebenen Bildern die Illusion von Räumlichkeit zu erzielen.
Auch Friedrich Geiler arbeitet nicht als Konkreter, wohl aber sehr ausgefeilt als konstruktivistischer Künstler: Er rechnet nicht und stellt auch keine komplizierten geometrischen Gebilde ins Werk, er geht aus von Gegebenem, dem Wasser, der Landschaft, der Erde,…abstrahiert dasSichtbare, indem er es in geometrische Analogien überträgt … Häufig bleibt nur eine Horizontlinie als fester Bezug für den Betrachter erhalten, während er die umfassende zugehörige naturalistische Vorgabe unterschiedlich intensiv mit Geradenscharen, Kreisscharen, Progressionen und häufig auch hinzugefügten malereifernen Materialien in konstruktivistische Bilder transformiert.
Allgemeine Anmerkungen zu den hier gezeigten Arbeiten aus der Sammlung Messmer und deren Ergänzungen durch die Künstlerfreunde:
Das in allen Lenbenssituationen durchschimmernde Selbstbewusstsein des Sammlers spiegelt sich auch in der persönlichen Note seiner Sammlung wieder. Doch bei aller Subjektivität des Sammelansatzes von Jürgen Messmer und aller individuellen Verschiedenheit der hier vertretenen Künstler verbinden drei Merkmale die hier gezeigten Werke:
Liebe zur konstruktiven Malerei,
Forderung nach
künstlerischer Kreativität und hoher Qualität in der Ausführung.